StuBS – Sturzprophylaxe durch Bewegung und Spaß

StuBS – Sturzprophylaxe durch Bewegung und Spaß

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von Friederike Ziganek-Soehlke

 

Stürze können für jeden ein einschneidendes Ereignis sein. Im Alter nehmen Sturzhäufigkeit und ihre Dramatik signifikant zu. Laut Statistik stürzt in den sog. Industrienationen jedes Jahr etwa jeder dritte Ältere (über 65 Jahre) und bei den über 80-Jährigen jeder zweite.

 

Stürze – am häufigsten in Kindheit und im Alter

In zwei Lebensabschnitten stürzt der Mensch besonders häufig: in der Kindheit, in der die Motorik erst verbessert wird, und im Alter, in der sie nachlässt. Für beide Altersgruppen gilt, viel Bewegungserfahrung mindert die Anzahl von Stürzen und unterstützt glimpfliche Landungen. Jedem Sturz gehen mehr als eine Ursache voraus. Während Kinder mit jedem Sturz an Sicherheit gewinnen (sie fallen hin – manchmal fast unbemerkt, stehen wieder auf und rennen weiter), verlieren ältere Menschen sie.

Besonders betroffen sind Osteoporose-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten, Personen mit künstlichen Hüftgelenken und alle, die schon einmal folgenreich gestürzt sind. Aber auch ohne dass Sturzerfahrung stellt sich bei manchen die Angst davor ein.

Seit rund 10 Jahren stellt man allerdings fest, dass Kinder nach Stürzen immer häufiger ärztlich behandelt werden müssen, also ebenso folgenreich stürzen. Dies ist begründet in der zunehmenden Bewegungsarmut – sie scheint ein vorrangiger Sturzrisikofaktor zu sein, unabhängig vom Alter.

 

Stolperfallen

Folgen für ältere Menschen

Verletzungen, Bettlägerigkeit, Depressionen und Kraftverluste machen dem älteren Menschen nach einem Sturz zu schaffen.

Hat er sich körperlich erholt, überholt ihn häufig eine sehr viel länger andauernde, alles hemmende Angst. Ein Syndrom, das weiteren Stürzen Vorschub leistet. Sie zeigt sich häufig in zunehmendem Rückzug, der unweigerlich zur sozialen Isolation führt. Schmerzhafte Einsamkeit ist das Fazit, der Schritt zur Pflegebedürftigkeit nicht weit. Diese mündet u.U. in eine jahrelange entwürdigende Abhängigkeit.

Gesellschaftspolitisch darf man auch den Kostenfaktor nicht übersehen. Pflege kostet Geld, bisweilen sehr viel. Das gilt sowohl für den Einzelnen als auch für das Sozialbudget. Oft ist ein Sturz der Anfang von einem plötzlichen Ende, aber auch von einem sich elendiglich – ewig hinziehenden Ende.

An der Unsicherheitsspirale, die immer weniger Bewegung zulässt, gilt es anzusetzen. Sie unterstützt die sich daraus ergebende Unselbständigkeit. Selten schafft das ein Mensch alleine.

 

 

Sturzprophylaxe geht alle an!

ÖVB_ Omma unterwegsStürze bilden letztendlich ein Problem, das alle angeht:

–  Ältere als unmittelbar Betroffene; Akutbehandlung und Rehabilitation

– Jüngere, denn sie werden auch älter; Prävention heißt für sie in Bewegung zu bleiben bzw. zu kommen

–  Angehörige und Pflegepersonen; Animation zur Bewegung, Beseitigung von Stolperfallen (statt Fixierung und

Rollator)

– Bauherren und Architekten bei der Gestaltung von bewegungsfreundlicher und -animierender Umgebung

– Sport-und GymnastiklehreInnen durch spezifische Schulung zur Sturzprophylaxe

–  Ärzte und die Verordnung von Bewegungsprogrammen.

 

Handlungsbedarf ist angesagt!!!

 

Bewegungsmangel  ist die Hauptursache für folgenreiche Stürze und wird schon als Epidemie bezeichnet. Bei der ständig wachsenden Anzahl älterer Menschen, den immer knapper werdenden natürlichen Bewegungsräumen und den schwindenden Ressourcen im Gesundheitswesen wird es umso wichtiger über Möglichkeiten der Sturzprophylaxe nach zu denken und sie in die Tat umzusetzen.

 

Langes Sitzen reduziert die Gleichgewichtsfähigkeiten

Der Mensch sitzt zu viel; je älter, umso mehr. Vieles Sitzen raubt Kraft, mindert den Atem, hemmt die Blutzirkulation und macht träge. Sitzgelegenheiten, feste und mobile, werden zu oft und zu viel genutzt. Stehen und Gehen, die effektivsten Gleichgewichtsübungen,

werden überflüssig und immer seltener ausgeführt.

 

Der ängstliche Mensch bleibt gerne sitzen, um Risiken zu vermeiden; ein älterer ganz besonders, wenn die Bewegungslust aufgrund von Nicht-Beanspruchung nachlässt.

Um Betroffene  richtig abzuholen ist es eine gute Methode Aufstehen, Hinsetzen und Gehen (ein wunderbares Kraft-und Koordinationstraining, das viel zu selten geübt wird) in kürzesten Abständen sehr häufig zu wiederholen.

Vom Gleichgewichtsvermögen hängt auch die Selbstständigkeit ab. Fehlt es  an Übung, am Training, kurzum an ausreichender Bewegung so schwindet es.

 

Bewegungsmangel schürt die Angst

rumrollenvor dem Hinfallen und führt zu einem Rückgang von Muskelkraft, der Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit.

Es folgt eine Zunahme von Verspannungen und Kreislaufproblemen. Die daraus resultierende erhöhte Unsicherheit, der schwindende Mut und die eingeschränkte Mobilität fördern in tragischer Weise zudem die soziale Isolation. Nicht zuletzt leiden die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten darunter.

Der Mensch, ein soziales Wesen und auf Bewegung konzipiert, braucht zum Leben andere Menschen (nicht nur im Pflegefall) und Bewegung auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene. Aber: je länger ein Mensch lebt, umso unbeweglicher wird er, wenn er nichts tut; umso gefährdeter ist sein Gleichgewicht bzw. seine Fähigkeiten auf Störungen/Überraschungen angemessen zu reagieren. Er hat die Chance etwas dafür zu unternehmen, sein Gleichgewicht immer wieder zu finden. Im Lot zu bleiben ist ein dynamischer Prozess, der nur durch körperliche und geistige (psycho-motorisch) Aktivität möglich ist.

 

Fazit: Raus aus dem Haus, sich unter Menschen/ Gruppen mischen, auch wenn es anfänglich schwer fällt.

 

Umfassende Bewegungsprogramme speziell für Ältere notwendig

Spielplatz_Oma verbaumelt das AbendessenBewegung hält den Kreislauf in Schwung, stärkt das Sicherheitsgefühl, lindert Schmerzen, gibt Kraft und macht Spaß.

Am effektivsten scheint die Kombination von:

1. Viel , wenn nicht mehr  Bewegung im Alltag (z. B. Stuhl und Rolltreppen meiden, auf allen „Vieren“ Hausputz machen, Fahrrad fahren, sich nach der Gartenarbeit recken, strecken und dehnen, mit (Enkel-) Kindern – so vorhanden – auf dem Boden spielen, Tanzen gehen, Tischtenns spielen, Boccia, Fahrrad fahren, öffentliche Verkehrsmittel statt eigenem Auto, Schwimmen, Wandern usw.)

2. Individual-Programme zu Hause (spezielle Gymnastikübungen zur Sturzprophylaxe – die lernt man bei aktivijA)

3. Krafttraining mit und ohne Geräte

4. besondere Bewegungsangebote in der Gruppe ( gibt es bei aktivijA)

 

Zum Schluss etwas sehr wichtiges: In Bewegung bleiben – ein Leben lang! 

Bewegung ist anstrengend. Häufig muss man sich sehr stark überwinden, um überhaupt anzufangen. Motivation ist hier gefragt. Freude ist immer noch die wirksamste Motivation. Freude kann entstehen durch

  • die Bewegung selbst
    • mit anderen, mit Musik, durch erfolgreich durchgeführte Bewegungsaufgaben;  durch das Spüren vermehrter  Kraft
  • das Wohlgefühl danach
    • Stolz, dass man sich aufgerafft hat; bessere Durchblutung und eben solche Stimmung

Ein Ziel zu haben motiviert  auch, z. B. fit und beweglich zu bleiben für…

  • die Selbständigkeit ( = Vermeidung oder Herauszögern des Gepflegt- werden- müssen)
  • das Spielen mit den Enkelkindern
  • Aufgaben, die man gerne erfüllen möchte
  • die Teilnahme am sozialen Leben (Freunde und Familie)
  • Hobbies

Nebenwirkung unserer Sturzprophylaxe ist die Anregung zu geistiger Aktivität, die Erhaltung von Freundschaften (Erwerben und Bewahren), das Erreichen einer höhere Lebensqualität durch mehr Bewegungssicherheit = mehr Spaß am Leben!

Skate Board, Pezziball_ Mobilität